Helfen statt Blockieren

Wirtschaft, Analyse

Was braucht die Wirtschaft?

· Redaktion Helfen statt Blockieren

Ob kleiner Händler, Mittelständler mit Export oder Konzern: Was Firmen zuerst brauchen, ist Planbarkeit. 83 Prozent der Firmen in der EU nennen Unsicherheit ein Hindernis für Investitionen. Dazu kommen Zahlungen, die ankommen, Finanzierung, die nicht an der Größe scheitert, und Recht, das sich nicht selbst widerspricht. Die Daten von BIZ, Asiatischer Entwicklungsbank, Weltbank und EIB zeigen, wo es hakt, und wo eine wichtige Zahl fehlt.

2,5 Bio. $Lücke bei der Handelsfinanzierung weltweit 2025Asiatische Entwicklungsbank
41 %der Anträge kleiner und mittlerer Firmen auf Handelsfinanzierung abgelehntAsiatische Entwicklungsbank, 2025
−47,1 %Korrespondenzbanken in Lateinamerika und der Karibik, 2011 bis 2022BIZ, CPMI
83 %der Firmen in der EU nennen Unsicherheit ein InvestitionshindernisEIB Investment Survey 2025

Planbarkeit vor allem anderen

Die Europäische Investitionsbank fragt jedes Jahr Tausende Firmen, was sie am Investieren hindert. 2025 nannten 83 Prozent der Firmen in der EU die Unsicherheit ein Hindernis, 79 Prozent den Mangel an Fachkräften, 75 Prozent die Energiekosten. Zölle und Zoll hält knapp die Hälfte (48 Prozent) für ein großes Hindernis; in den USA sind es 77 Prozent. 86 Prozent der Firmen in der EU investieren weiter, aber vorsichtiger.

Was Firmen am Investieren hindert

Anteil der Firmen, die das Hindernis als groß oder als Hemmnis nennen, in Prozent; Befragung April bis Juli 2025.

HindernisAnteil
Unsicherheit, Firmen in der EU83 %
Fachkräftemangel, Firmen in der EU79 %
Energiekosten, Firmen in der EU75 %
Zölle und Zoll, Firmen in der EU48 %
Zölle und Zoll, Firmen in den USA77 %

Quelle: Europäische Investitionsbank, EIB Investment Survey 2025, Pressemitteilung vom 14.10.2025 (über 12.000 Firmen in der EU, über 800 in den USA). Für die USA nennt die Mitteilung nur den Wert zu Zöllen.

Wie Unsicherheit entsteht, zeigt ein Beispiel aus Nordamerika. Am 1. Juli 2026 lehnten die USA bei der ersten gemeinsamen Überprüfung des Abkommens mit Kanada und Mexiko (USMCA) eine Verlängerung ab. Das Abkommen gilt bis 2036 unverändert weiter, wird aber nun jedes Jahr überprüft. Für eine Firma, die eine Fabrik für 20 Jahre plant, ist das ein anderes Risiko als ein fester Vertrag. Mexiko und Kanada hatten der Verlängerung zugestimmt.

Geld, das ankommt

Eine Zahlung über Grenzen läuft fast immer über Korrespondenzbanken, die für andere Banken Konten führen. Die BIZ wertet die Zahlungsnachrichten über SWIFT aus: Von 2011 bis 2022 sank die Zahl der aktiven Korrespondenzbeziehungen in jeder Weltregion, in Amerika ohne Nordamerika um 47,1 Prozent, in Afrika und in Europa ohne Osteuropa um je 34,2 Prozent, in Nordamerika um 19,4 Prozent. In der Karibik waren es 52,1 Prozent, in Melanesien 62,6 Prozent. Wer in einem kleinen oder als riskant geltenden Land arbeitet, hat also weniger Wege und zahlt mehr.

Weniger Banken, die Zahlungen weiterreichen

Zahl der aktiven Korrespondenzbankbeziehungen, Veränderung 2011 bis 2022 in Prozent, nach Region der Bank. Grundlage: Zahlungsnachrichten über SWIFT.

RegionVeränderung
Amerika ohne Nordamerika−47,1 %
Ozeanien−37,8 %
Europa ohne Osteuropa−34,2 %
Afrika−34,2 %
Osteuropa−34,0 %
Asien−29,9 %
Nordamerika−19,4 %

Quelle: BIZ, Ausschuss für Zahlungsverkehr und Marktinfrastrukturen (CPMI), Correspondent banking data, Chartpack Mai 2023, Tabelle 2 (MT 103 und MT 202 ohne MT 202COV).

Die G20 haben sich vorgenommen, Zahlungen über Grenzen bis Ende 2027 billiger, schneller und durchschaubarer zu machen. Der Finanzstabilitätsrat schrieb im Oktober 2025, es sei „unwahrscheinlich“, dass die Ziele weltweit rechtzeitig erreicht werden. Eine Überweisung von 200 US-Dollar kostete nach der Weltbank im vierten Quartal 2024 im Schnitt 6,26 Prozent, nach Afrika südlich der Sahara 8,16 Prozent; das Nachhaltigkeitsziel 10.c der Vereinten Nationen sieht weniger als 3 Prozent vor.

Hinzu kommt die Finanzierung des Handels selbst: Akkreditive, Garantien, Vorfinanzierung. Die Asiatische Entwicklungsbank beziffert die Lücke für 2025 auf 2,5 Billionen US-Dollar. Bemerkenswert ist, dass kleine und mittlere Firmen mit 41 Prozent Ablehnungen kaum schlechter abschneiden als große (40 Prozent); die Engpässe liegen also auch bei den Banken, nicht nur bei der Größe des Kunden.

Rechtssicherheit

Das Sanktionsrecht wird dichter. Die EU hat am 23. Juli 2026 ihr 21. Paket gegen Russland beschlossen, mit 218 neuen Listungen, so vielen wie in keinem Paket seit Kriegsbeginn, und Geschäftsverboten mit inzwischen über 100 russischen Banken. 27 der neu gelisteten Firmen sitzen in Drittstaaten, 14 davon in China. Für Firmen heißt das: Auch Kunden in der Türkei, in Kasachstan oder den Emiraten können plötzlich tabu sein. Seit Mai 2025 müssen die Mitgliedstaaten Verstöße nach gemeinsamen Mindeststandards bestrafen (Richtlinie (EU) 2024/1226); im Juli 2025 mahnte die Kommission 18 Staaten, die das noch nicht umgesetzt hatten.

Zugleich können sich die Regeln widersprechen. Die EU-Abwehrverordnung verbietet, bestimmte US-Sanktionen zu befolgen, etwa gegen Kuba und Iran; die Kommission selbst schrieb 2021, fremde Sanktionen mit Wirkung auf Dritte hätten der EU-Wirtschaft „erheblichen“ Schaden zugefügt und Rechtsunsicherheit geschaffen. Wie das im Einzelfall aussieht, erklärt der Beitrag 30 Jahre Abwehrverordnung. Kuba zeigt, dass zwei Hürden zusammenkommen: das US-Embargo, das Banken abschreckt, und die kubanische Führung, deren Vorgaben privates Wirtschaften eng begrenzen und unter der Prisoners Defenders im September 2026 1.351 politische Gefangene zählte.

Was Regeltreue kostet

Banken müssen Kunden prüfen, Zahlungen mit Listen abgleichen und Verdachtsfälle melden. Das ist teuer, und es lohnt sich für kleine Geschäfte oft nicht. Die Europäische Bankenaufsicht warnte schon im Januar 2022 vor „ungerechtfertigtem“ De-risking, also davor, ganze Kundengruppen abzulehnen, statt Risiken im Einzelfall zu prüfen. Warum dann auch erlaubte Zahlungen hängen bleiben und was eine Firma selbst tun kann, steht in Warum eine erlaubte Zahlung hängen bleibt und Überbefolgung.

Nach Größe der Firma

  • Kleine Firmen und Händler haben keine eigene Rechtsabteilung. Für sie zählen ein Konto, das bleibt, Zahlungen, die ankommen, und eine Stelle, die Fragen verbindlich beantwortet.
  • Mittelständler mit Export brauchen vor allem vorhersehbare Zölle und schnelle Genehmigungen; sie trifft jede Änderung der Ursprungsregeln oder Güterlisten unmittelbar.
  • Große Konzerne können Lieferketten verdoppeln, tragen aber das größte Risiko bei Ausfuhrkontrollen für Spitzentechnik und bei Gegenmaßnahmen anderer Staaten.
  • Banken und Zahlungsdienste brauchen klare Aufsicht: wann Prüfen genügt, wann Ablehnen Pflicht ist und wann es ein Verstoß sein kann.

Zwei Lesarten

Was für die strengen Regeln spricht

  • Sanktionen wirken nur, wenn sie durchgesetzt werden; einheitliche Strafen in der EU schließen Lücken, die Umgehung über einzelne Staaten erlaubt haben.
  • Prüfpflichten der Banken dienen auch dem Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung; das ist ein Schutz für Firmen, nicht nur eine Last.
  • Die Abwehrverordnung gibt Firmen in der EU eine Rechtsgrundlage, US-Forderungen zu Kuba oder Iran nicht zu folgen.

Was gegen sie spricht

  • Strengere Strafen machen Banken noch vorsichtiger; erlaubte Geschäfte mit kleinen Kunden lohnen sich dann noch seltener.
  • Die Abwehrverordnung schützt nicht vor Nachteilen auf dem US-Markt; viele Firmen folgen deshalb dem Markt statt dem Gesetz.
  • Ohne Zahlen zu abgelehnten Zahlungen kann niemand prüfen, ob die Vorsicht angemessen ist.

Nachrechnen: Die Reihen von IWF, Weltbank und den Unsicherheitsindizes lädt daten/abruf.py; die Auszüge liegen als daten/ergebnis_*.csv bei, die Werte aus Berichten in daten/werte_berichte.csv.

Diese Analyse ist eine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Sie gibt die Sicht der Redaktion wieder, stellt Argumente beider Seiten dar und macht keine eigene Prognose. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich.

Quellen

Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026. Sekundärquellen sind gekennzeichnet; die Zahlen dort stammen vom genannten Herausgeber.

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