„Was passiert eigentlich, wenn blockiert wird? Dann ist es ein ganzes Ökosystem, das niedergeht.“ So beschreibt Aciel Martinez Poll den Gedanken hinter diesem Bereich. Das Erklärstück zeigt an belegten Beispielen, wie sich eine Sanktion von der Norm bis zum Alltag fortpflanzt, und wo Ursachen im Land selbst hinzukommen.
Sechs Stationen, drei typische Haltepunkte. Antippen oder mit der Tabulatortaste ansteuern zeigt das Beispiel.
Skizze: Helfen statt Blockieren. Belege in den Abschnitten unten.
Erste Station: die Norm
Am Anfang steht eine Regel: ein Gesetz, eine Liste gesperrter Personen und Firmen, eine Verordnung. Manche richten sich nur an die eigenen Bürger und Firmen. Andere drohen auch Unternehmen in Drittstaaten. Die Executive Order 14380 vom 29.1.2026 etwa erlaubt Zusatzzölle auf Waren aus Staaten, die Kuba Öl liefern1.
Zweite Station: die Bank
Banken prüfen jede Zahlung gegen Listen. Weil Verstöße teuer sind, lehnen sie oft mehr ab, als sie müssten. BNP Paribas zahlte 2014 rund 8,9 Milliarden US-Dollar2. Die Europäische Bankenaufsicht nannte ungerechtfertigtes De-risking 2022 schädlich für die Ziele der EU3. In Kuba haben nach Angaben an die UN-Sonderberichterstatterin rund 200 ausländische Banken seit 2021 ihre Beziehungen beendet4.
Dritte Station: Versicherer und Reedereien
Ohne Versicherung fährt kein Schiff. Die EU koppelt Seetransport und Versicherung russischen Öls seit Dezember 2022 an eine Preisobergrenze5. Für Kuba gilt eine US-Regel, nach der ein Schiff nach einem Handelsbesuch 180 Tage keinen US-Hafen zum Laden anlaufen darf6. Für Reedereien, die auch die USA bedienen, wird Kuba damit zu einem teuren Umweg.
Vierte Station: die Lieferanten
Hersteller in Europa, die selbst keiner US-Sanktion unterliegen, brauchen für Kuba eine US-Genehmigung, sobald mehr als 10 Prozent des Warenwerts aus den USA stammen7. In Iran stellte ein europäischer Hersteller den Verkauf von Spezialverbänden für Kinder mit Epidermolysis bullosa ein8. Cubana strich 2019 neun Verbindungen, nachdem Leasinggeber Verträge gekündigt hatten9.
Fünfte Station: Krankenhaus, Strom und Wasser
Was nicht geliefert, bezahlt oder versichert wird, fehlt im Krankenhaus und im Kraftwerk. Nach Angaben an die UN-Sonderberichterstatterin sind in Kuba 69 Prozent der Medikamente nicht erreichbar, Stromausfälle dauern bis zu 18 Stunden, manche Regionen bekommen nur alle paar Tage bis alle 30 Tage Wasser4. Im August 2026 brach das Stromnetz erneut landesweit zusammen10.
Sechste Station: die Familie
Am Ende steht der Haushalt. Western Union stellte am 5.2.2025 die Überweisungen nach Kuba erneut ein (2020 geschlossen, später wieder aufgenommen)11. Die Bevölkerung sank nach der Statistikbehörde auf 9,4 Millionen Ende 2025, der Wanderungssaldo lag bei etwa minus 245.00012.
Was nicht in die Kette gehört, aber dazukommt
Nicht jeder Mangel ist eine Folge der Sanktion. In Kuba verweisen Kritiker auf jahrzehntelange Unterinvestition im Energiesektor10. Freedom House beschreibt staatliche Zensur des Internets13. Amnesty International und Human Rights Watch dokumentieren politische Haft1415. Auch die UN-Sonderberichterstatterin hält fest, dass die Hauptverantwortung für die Menschenrechte bei Kuba liegt4. Beides gehört zum Bild: die Wirkung von außen und die Verantwortung im Land.
Warum Staaten trotzdem sanktionieren
Sanktionen sollen Verhalten ändern, ohne Krieg zu führen: gegen Atom- und Raketenprogramme, Angriffskriege, Terrorismus oder Repression. Die USA begründen ihre Kuba-Politik mit der Politik der kubanischen Regierung1. Um die Nebenwirkungen zu begrenzen, haben UN, EU und USA seit 2022 humanitäre Ausnahmen geschaffen161718. Ob diese Ausnahmen in der Kette ankommen, entscheidet sich an jeder der sechs Stationen.
Zahlen mit dem Zusatz „nach Angaben“ stammen nicht aus eigener Messung der zitierten Stelle, sondern aus Informationen, die ihr vorgelegt wurden.
Diese Seite ist eine Information und keine Rechtsberatung. Sie berichtet, was Behörden, Gerichte, Regierungen und Organisationen beschließen und sagen; die Sicht der verhängenden und der betroffenen Seite steht nebeneinander. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich. Hinweise auf Fehler an info@aciel-martinez-poll.com.
Quellen
- Weißes Haus, Federal Register 91 FR 5085, „Executive Order 14380: Addressing Threats to the United States by the Government of Cuba (unterzeichnet 29.1.2026)“, 3.2.2026. https://www.govinfo.gov/content/pkg/FR-2026-02-03/html/2026-02250.htm
- Banque de France, ACPR, „Following the agreement signed between the US authorities and BNP Paribas“, 30.6.2014. https://acpr.banque-france.fr/en/press-release/following-agreement-signed-between-us-authorities-and-bnp-paribas
- Europäische Bankenaufsicht (EBA), EBA/Op/2022/01, „EBA alerts on the detrimental impact of unwarranted de-risking and ineffective management of money laundering and terrorist financing risks“, 5.1.2022. https://www.eba.europa.eu/publications-and-media/press-releases/eba-alerts-detrimental-impact-unwarranted-de-risking-and
- OHCHR, Sonderberichterstatterin Alena Douhan, Vorläufige Ergebnisse des Besuchs in Kuba, Erklärung zum Abschluss der Reise vom 11. bis 21.11.2025, 21.11.2025. Viele Zahlen dort mit dem Zusatz „reportedly“, also nach Angaben, die ihr vorgelegt wurden. https://www.ecoi.net/en/file/local/2133521/20251121-eom-stm-cuba-sr-negative-impact-unilateral-en.pdf
- Rat der EU, Verordnung (EU) 2022/2367 vom 3.12.2022 (Preisobergrenze für russisches Rohöl im Seeverkehr), ABl. L 311 I vom 3.12.2022, S. 1, 3.12.2022. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2022/2367/oj
- 31 CFR § 515.207, Fassung bei Cornell LII, „Entry of vessels engaged in trade with Cuba“, 3.11.2026. https://www.law.cornell.edu/cfr/text/31/515.207
- Kelley Drye, „BIS tightens Cuba restrictions, lowers de minimis threshold to 10 percent (Federal Register Doc. 2019-22876)“, 21.10.2019. https://www.kelleydrye.com/viewpoints/blogs/trade-and-manufacturing-monitor/bis-tightens-cuba-restrictions-lowers-de-minimis-threshold-to-10-percent
- Human Rights Watch, „“Maximum Pressure”: US Economic Sanctions Harm Iranians’ Right to Health“, 29.10.2019. https://www.hrw.org/report/2019/10/29/maximum-pressure/us-economic-sanctions-harm-iranians-right-health
- OnCuba News, „Cubana de Aviación cancels flights due to intensification of blockade“, 26.10.2019. https://oncubanews.com/en/cuba-usa/cubana-de-aviacion-cancels-flights-due-to-intensification-of-blockade/
- Al Jazeera, „Grid failure plunges Cuba into nationwide blackout“, 3.8.2026. https://aljazeera.com/news/2026/8/3/grid-failure-plunges-cuba-into-nationwide-blackout
- Havana Times (nach 14ymedio), „Western Union Suspends Money Transfers to Cuba“, 8.2.2025. https://havanatimes.org/news/western-union-suspends-money-transfers-to-cuba
- Arab News (AFP), nach Angaben der Statistikbehörde ONEI vom 21.7.2026, „Cuba’s population slide continued in 2025 to 9.4 mn“, 22.7.2026. https://www.arabnews.pk/node/2651891/world
- Freedom House, „Cuba: Freedom on the Net 2026“, 3.11.2026. https://freedomhouse.org/country/cuba/freedom-net/2026
- Amnesty International, „Cuba: One year after selective releases, we demand the immediate release of people detained for political reasons“, 19.1.2026. https://www.amnesty.org/en/latest/news/2026/01/cuba-a-un-ano-de-excarcelaciones-selectivas-exigimos-libertad-inmediata-para-las-personas-presas-por-motivos-politicos/
- Human Rights Watch, „World Report 2026: Cuba“, 4.2.2026. https://www.ecoi.net/en/document/2136203.html
- UN-Sicherheitsrat, Pressemitteilung SC/15134 (9214. Sitzung), Bericht über die Annahme der Resolution 2664 (2022), 9.12.2022. https://press.un.org/en/node/311942
- Rat der EU, Verordnung (EU) 2023/331 vom 14.2.2023 zur Änderung bestimmter Verordnungen über restriktive Maßnahmen zwecks Aufnahme einer humanitären Ausnahme, ABl. L 47 vom 15.2.2023, S. 1, 14.2.2023. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/331/oj
- US-Finanzministerium, Pressemitteilung JY1175, „Treasury Implements Historic Humanitarian Sanctions Exceptions“, 20.12.2022. https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy1175
- Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Hauptbericht und Anhang, viertes Quartal 2024, Dezember 2024. https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_main_report_and_annex_q424_13.pdf
- 38 North, „The Human Costs of UN Sanctions and Funding Shortfalls for Humanitarian Aid in North Korea“, 22.8.2019. https://www.38north.org/2019/08/parkkimjong082219/
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
