Seit 2022 sperren die USA Hochleistungschips und Anlagen für China. China antwortet mit Kontrollen auf Rohstoffe, die es fast allein liefert. Die EU versucht, sich aus der Klemme zu lösen. Dazwischen stehen Firmen, die Magnete, Leuchtdioden oder Steuergeräte brauchen, in Deutschland wie in Japan, Korea oder Brasilien.
Wie aus Kontrollen eine Gegenblockade wurde
Am 7. Oktober 2022 führten die USA eine Genehmigungspflicht für fortgeschrittene Chips und Anlagen zur Chipfertigung nach China ein und verschärften sie 2023 und 2024. China antwortete nicht mit gleichen Waren, sondern mit dem, was es hat: Rohstoffe. Seit August 2023 braucht die Ausfuhr von Gallium und Germanium eine Genehmigung; Peking begründete das mit dem Schutz der nationalen Sicherheit. Im Dezember 2024 verbot China die Ausfuhr von Gallium, Germanium und Antimon in die USA, im April 2025 kamen sieben Seltene Erden hinzu. Was davon im November 2026 ausgesetzt ist und was gilt, beschreibt das Lagebild „Rohstoffe und Exportkontrolle“; wer gegen wen womit vorgeht, zeigt die Karte „Wirtschaftsraum gegen Wirtschaftsraum“.
- USA: Regeln für HochleistungschipsGenehmigungspflicht für fortgeschrittene Chips und Anlagen zur Chipfertigung nach China, später verschärft.
- China: Gallium und GermaniumAusfuhr nur noch mit Genehmigung; begründet mit dem Schutz der nationalen Sicherheit.
- China: Verbot in die USAKeine Ausfuhr von Gallium, Germanium und Antimon mehr in die USA.
- China: sieben Seltene ErdenGenehmigungspflicht unter anderem für Dysprosium und Terbium und Magnete daraus.
- Niederlande: NexperiaDie Regierung greift nach dem Gesetz über die Verfügbarkeit von Gütern in die Führung des Chipherstellers ein; China stoppt Ausfuhren aus den Werken von Nexperia in China.
- WaffenruheChina setzt die Ausweitung der Kontrollen vom Oktober 2025 aus und das Ausfuhrverbot in die USA für zivile Empfänger bis 27.11.2026; die Niederlande setzen ihre Anordnung zu Nexperia aus.
Warum diese Waffe wirkt
Die Stärke der Rohstoffkontrollen liegt in der Konzentration. Nach dem US-amerikanischen Geologischen Dienst stammten 2025 99 Prozent des weltweit erzeugten primären Galliums aus China; Deutschland, Ungarn und Kasachstan haben die Herstellung eingestellt. Bei Naturgraphit, dem Stoff für Batterieanoden, waren es 82 Prozent, bei der Förderung Seltener Erden rund 69 Prozent. Bei der Verarbeitung ist China nach der Internationalen Energieagentur für 19 von 20 untersuchten strategischen Mineralien der größte Raffinierer, mit durchschnittlich rund 70 Prozent Marktanteil.
Prozent. Gallium: primäres Gallium niedriger Reinheit; Graphit: Naturgraphit; Seltene Erden und Antimon: Bergwerksförderung (bei Verarbeitung ist Chinas Anteil höher).
| Rohstoff | Anteil Chinas |
|---|---|
| Gallium (primär) | 99 % |
| Naturgraphit | 82 % |
| Seltene Erden (Förderung) | 69 % |
| Antimon (Förderung) | 36 % |
Quelle: US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026, Blätter Gallium, Graphite, Rare Earths, Antimony (Schätzwerte 2025). Seltene Erden 270.000 von 390.000 Tonnen, Antimon 40.000 von 110.000 Tonnen, eigene Rechnung. Datei daten/usgs_china_anteil_2025.csv.
Wo ein Anbieter so stark ist, schlägt jede Beschränkung auf die Preise durch. Der Durchschnittswert der US-Einfuhren von Gallium stieg von 277 US-Dollar je Kilogramm 2021 auf geschätzt 580 im Jahr 2025. Antimon, gebraucht für Flammschutz und Munition, kostete 2025 im Schnitt 25 US-Dollar je Pfund, nach 5,31 im Jahr 2021. Germanium für Glasfasern und Infrarotoptik verteuerte sich in Europa allein von Januar bis Oktober 2025 von 3.150 auf 5.380 US-Dollar je Kilogramm.
Index, 2021 = 100. Gallium: Durchschnittswert der US-Einfuhren je Kilogramm (277 auf 580 US-Dollar); Antimon: Metallpreis je Pfund (5,31 auf 25 US-Dollar).
| Jahr | Gallium | Antimon |
|---|---|---|
| 2021 | 100 | 100 |
| 2022 | 156 | 116 |
| 2023 | 132 | 103 |
| 2024 | 158 | 193 |
| 2025 | 209 | 471 |
Quelle: US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026, Blätter Gallium und Antimony; 2025 geschätzt. China führte im August 2023 Genehmigungen für Gallium und Germanium ein, kündigte im August 2024 Beschränkungen für Antimon an und verbot im Dezember 2024 die Ausfuhr aller drei in die USA. Datei daten/usgs_preise_2021_2025.csv.
Was es die Verhängenden kostet
Exportkontrollen sind auch für den, der sie verhängt, nicht umsonst. Ökonominnen und Ökonomen der Federal Reserve Bank of New York haben untersucht, was mit US-Zulieferern geschah, deren chinesische Kunden auf Exportlisten kamen. Diese Firmen verloren zusammen rund 130 Milliarden US-Dollar an Börsenwert, Gewinne, Beschäftigung und Kredite sanken, und Ersatzkunden im Inland oder bei Verbündeten fanden sie kaum. Ein Einzelbeleg aus der Chipbranche, die Belastung von NVIDIA nach einer neuen Genehmigungspflicht 2025, steht in „Wirtschaftsraum gegen Wirtschaftsraum“.
Was es für Firmen in Deutschland bedeutet
Im Herbst 2025 zeigte der Fall Nexperia, wie schnell aus Geopolitik ein Bandstillstand werden kann. Die niederländische Regierung griff am 30. September 2025 nach dem Gesetz über die Verfügbarkeit von Gütern in die Führung des Chipherstellers ein, der einem chinesischen Konzern gehört; sie begründete das mit der Sorge, Technik und Wissen könnten ins Ausland abfließen. China verhängte daraufhin eine Ausfuhrkontrolle für alle Werke von Nexperia in China. Am 21. Oktober warnte der Verband der Automobilindustrie, die Lage könne bald zu erheblichen Einschränkungen oder sogar zum Stillstand der Produktion führen. Im November erlaubte China wieder einzelne Ausfuhren, und die Niederlande setzten ihre Anordnung aus.
Wie abhängig die deutsche Industrie ist, zeigen Befragungen des ifo Instituts: 2024 gaben 37 Prozent der Industriefirmen an, bei wichtigen Vorleistungen auf China angewiesen zu sein, nach 46 Prozent im Februar 2022; 38 Prozent planten, Einfuhren aus China zu verringern. Wie oft im November 2025 Material fehlte, steht im Magazinkapitel „Blockaden der Weltwirtschaft“.
Nicht nur zwischen Großmächten
Ausfuhrbeschränkungen sind kein Werkzeug nur der USA und Chinas. Die OECD stellt in ihrem Inventar von 2026 fest, dass im Schnitt der Jahre 2022 bis 2024 Beschränkungen 67 Prozent des Welthandels mit Kobalt und 66 Prozent bei Mangan erfassten, 47 Prozent bei Graphit und 45 Prozent bei Seltenen Erden; neue Beschränkungen kamen 2024 von einer breiteren Gruppe von Ländern, besonders in Afrika und Asien. Die Demokratische Republik Kongo, größter Kobaltlieferant der Welt, stoppte am 22. Februar 2025 die Ausfuhr, um nach Angaben der Behörde ARECOMS gegen ein Überangebot und den Preisverfall vorzugehen; seit dem 16. Oktober 2025 erlaubt es nur noch feste Mengen, 2026 insgesamt 96.600 Tonnen. Für Abnehmer weltweit ist das eine weitere Unsicherheit.
Was die EU dagegen setzt
Das Gesetz über kritische Rohstoffe der EU ist seit dem 23. Mai 2024 in Kraft. Es setzt für 17 strategische Rohstoffe Richtwerte bis 2030: 10 Prozent des Jahresbedarfs aus eigenem Abbau, 40 Prozent aus eigener Verarbeitung, 25 Prozent aus Recycling, und höchstens 65 Prozent aus einem einzigen Drittland. Ob das gelingt, ist offen; Lieferketten für Verarbeitung entstehen in Jahren, nicht in Monaten.
Zwei Sichtweisen
Was die Verhängenden sagen
Die USA begründen die Chipregeln mit nationaler Sicherheit und Außenpolitik: Hochleistungschips sollen nicht in militärische Anwendungen fließen.
China begründet seine Rohstoffkontrollen ebenfalls mit der nationalen Sicherheit; sein Exportkontrollgesetz erlaubt Beschränkungen zum Schutz von Sicherheit und Interessen.
Was Betroffene sagen
Firmen ohne eigene Rohstoffquelle tragen die Kosten beider Seiten: höhere Preise, Genehmigungen mit ungewisser Dauer, Lieferstopps über Nacht.
Für Förderländer im Süden sind Ausfuhrregeln ein Weg, mehr vom Wert ihrer Rohstoffe im Land zu halten; für ihre Kunden sind sie eine neue Hürde.
Was Firmen jetzt tun können
Stücklisten auf Rohstoffe aus einer einzigen Quelle prüfen, auch bei Zulieferern in Drittländern; Vorräte oder zweite Lieferanten für die kritischsten Teile; die eigene Güterliste nach der neuen Liste der EU für Güter mit doppeltem Verwendungszweck prüfen. Die Einzelheiten und Fristen stehen im Lagebild für Firmen.
Dieser Beitrag ist eine Information und keine Rechts-, Anlage- oder Gesundheitsberatung. Er stellt keine Diagnosen. Er gibt die Sicht der Redaktion wieder, stützt sich auf die genannten Quellen und nennt Gegenpositionen. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich.
Quellen
- US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026: Gallium, https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-gallium.pdf
- US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026: Germanium, https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-germanium.pdf
- US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026: Rare Earths, https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-rare-earths.pdf
- US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026: Antimony, https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-antimony.pdf
- US Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026: Graphite (Natural), https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-graphite.pdf
- IEA, Global Critical Minerals Outlook 2025, Executive summary, Mai 2025, https://www.iea.org/reports/global-critical-minerals-outlook-2025/executive-summary
- Helfen statt Blockieren, Wirtschaftsraum gegen Wirtschaftsraum, Stand November 2026 (Aussetzung des Verbots für zivile US-Empfänger bis 27.11.2026, Belege dort)
- Bureau of Industry and Security, Implementation of Additional Export Controls: Certain Advanced Computing and Semiconductor Manufacturing Items, 87 FR 62186, 13.10.2022 (ausgelegt am 7.10.2022), https://www.federalregister.gov/documents/2022/10/13/2022-21658/implementation-of-additional-export-controls-certain-advanced-computing-and-semiconductor
- Wang, Zhang (Covington & Burling), China Slaps Export Restrictions on Two Critical Metals, Global Policy Watch, 6.7.2023 (Bekanntmachung vom 3.7.2023, gültig ab 1.8.2023), https://www.globalpolicywatch.com/2023/07/china-slaps-export-restrictions-on-two-critical-metals/
- Crosignani, Han, Macchiavelli, Silva, Securing Technological Leadership? The Cost of Export Controls on Firms, Federal Reserve Bank of New York Staff Report 1096, April 2024, überarbeitet Februar 2025 (nicht begutachtet), https://www.newyorkfed.org/research/staff_reports/sr1096
- Regierung der Niederlande, Update on invoking Goods Availability Act, 19.11.2025 (mit Fragen und Antworten zur Anordnung vom 30.9.2025), https://www.government.nl/binaries/government/documenten/diplomatic-statements/2025/11/19/update-on-invoking-goods-availability-act/Update+on+invoking+Goods+Availability+Act+-+19+november+2025.pdf
- Evertiq, VDA warns of potential automotive production disruptions amid Nexperia crisis, 23.10.2025 (Erklärung von Hildegard Müller vom 21.10.2025), https://evertiq.com/design/2025-10-23-vda-warns-of-potential-automotive-production-disruptions-amid-nexperia-crisis
- IO+, China opens door to resumption of Nexperia chip exports, 1.11.2025, https://ioplus.nl/en/posts/china-opens-door-to-resumption-of-nexperia-chip-exports
- ifo Institut und EconPol Europe, Fewer German Companies Dependent On China, Pressemitteilung 11.4.2024, https://ifo.de/en/press-release/2024-04-11/ifo-instituteeconpol-europe-fewer-german-companies-dependent-china
- OECD, Inventory of Export Restrictions on Critical Raw Materials 2026, https://www.oecd.org/en/publications/oecd-inventory-of-export-restrictions-on-critical-raw-materials-2026_d5ca8f62-en/full-report/component-3.html
- IEA, Policies database: DRC ARECOMS Decision No. 004/2025, Cobalt Quota System, https://www.iea.org/policies/29138
- Bankable, Cobalt: DR Congo halts export to counter price drop, 26.2.2025, https://bankable.africa/en/business-climate/2602-837-cobalt-dr-congo-halts-export-to-counter-price-drop
- Europäisches Parlament, EPRS, Implementing the EU’s Critical Raw Materials Act, 19.11.2024; Verordnung (EU) 2024/1252, https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/EPRS_BRI(2024)766253
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026. Datendateien zum Nachrechnen: daten/ dieser Reihe.
