Rücküberweisungen sind für viele Familien das wichtigste Einkommen. Wo Sanktionen gelten, entscheiden Banken und Zahlungsdienste, ob sie das Risiko tragen. Oft lehnen sie ganze Länder oder Kundengruppen ab, auch wenn die einzelne Zahlung erlaubt wäre.
Was blockiert ist
- Kuba: Western Union stellte am 5.2.2025 die Überweisungen ein, nachdem das US-Außenministerium am 1.2.2025 die Liste gesperrter kubanischer Firmen erneuert hatte; darauf steht Orbit, die Firma, die die Auszahlungen abwickelte1.
- Weltweit: Banken müssen Namen gegen Sanktionslisten prüfen. Wer gegen US-Sanktionen verstößt, riskiert hohe Strafen: BNP Paribas zahlte 2014 rund 8,9 Milliarden US-Dollar wegen Geschäften mit Sudan, Iran und Kuba2.
Was ausdrücklich erlaubt ist
- EU: Die Abwehrverordnung 2271/96 verbietet EU-Firmen, die gelisteten US-Gesetze zu Kuba zu befolgen. Der Gerichtshof der EU entschied am 21.12.2021, dass das Verbot auch ohne Anordnung einer US-Behörde gilt34.
- EU: Die Europäische Bankenaufsicht stellte am 5.1.2022 fest, dass ungerechtfertigtes De-risking den Zielen der EU schadet; gemeint ist, dass Banken ganze Kundengruppen ablehnen, statt den Einzelfall zu prüfen5.
Was trotzdem nicht ankommt
- Kuba: Die UN-Sonderberichterstatterin Alena Douhan schrieb am 21.11.2025, De-risking und Überbefolgung hätten die humanitäre Lage erheblich verschärft6.
- Kuba: Rund 200 ausländische Banken und Finanzinstitute haben nach Angaben an Douhan seit 2021 ihre Beziehungen zu Kuba beendet6.
- USA: Zwei Drittel der befragten US-Hilfsorganisationen mit Auslandsarbeit hatten 2017 Probleme mit Banken; 37 Prozent meldeten verzögerte Überweisungen, 6 Prozent gekündigte Konten7.
Belegte Beispiele
- ÖsterreichDie BAWAG kündigte im April 2007 vor dem Verkauf an einen US-Fonds rund 100 Konten kubanischer Staatsbürger. Die Außenministerin sagte im Parlament, die Bank habe gegen EU-Recht verstoßen89.
- AfghanistanNach der humanitären Ausnahme der UN vom Dezember 2021 blieben Banken zurückhaltend. Hilfswerke wichen auf Hawala-Netze aus, die bis zu 10 Prozent je Überweisung verlangen sollen, oder trugen Bargeld ins Land10.
- WeltweitIm vierten Quartal 2024 kosteten 200 US-Dollar über eine Bank im Schnitt 13,40 Prozent, über einen Geldtransferdienst 4,98 Prozent11.
Weltweiter Durchschnitt der Gesamtkosten in Prozent des Betrags, je Quartal. Ziel der UN bis 2030: 3 Prozent.
| Quartal | Kosten |
|---|---|
| 1. Quartal 2021 | 6,38 % |
| 2. Quartal 2021 | 6,30 % |
| 3. Quartal 2021 | 6,30 % |
| 4. Quartal 2021 | 6,04 % |
| 1. Quartal 2022 | 6,09 % |
| 2. Quartal 2022 | 6,01 % |
| 3. Quartal 2022 | 6,30 % |
| 4. Quartal 2022 | 6,24 % |
| 1. Quartal 2023 | 6,25 % |
| 2. Quartal 2023 | 6,20 % |
| 3. Quartal 2023 | 6,18 % |
| 4. Quartal 2023 | 6,39 % |
| 1. Quartal 2024 | 6,35 % |
| 2. Quartal 2024 | 6,65 % |
| 3. Quartal 2024 | 6,62 % |
| 4. Quartal 2024 | 6,26 % |
Quelle: Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Hauptbericht und Anhang, viertes Quartal 2024, Dezember 2024. https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_main_report_and_annex_q424_13.pdf
Überweisung von 200 US-Dollar in die Region, Durchschnitt der Gesamtkosten in Prozent.
| Region | Kosten |
|---|---|
| Afrika südlich der Sahara | 8,16 % |
| Europa, Zentralasien ohne Russland | 7,12 % |
| Naher Osten und Nordafrika | 6,10 % |
| Ostasien und Pazifik | 6,01 % |
| Lateinamerika und Karibik | 5,79 % |
| Südasien | 4,48 % |
Quelle: Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Hauptbericht und Anhang, viertes Quartal 2024, Dezember 2024. https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_main_report_and_annex_q424_13.pdf
Weltweit, Überweisung von 200 US-Dollar, Durchschnitt der Gesamtkosten in Prozent.
| Anbieter | Kosten |
|---|---|
| Banken | 13,40 % |
| Postämter | 6,92 % |
| Geldtransferdienste | 4,98 % |
| Mobilfunk, unter 1 % der Stichprobe | 1,19 % |
Quelle: Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Hauptbericht und Anhang, viertes Quartal 2024, Dezember 2024. https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_main_report_and_annex_q424_13.pdf
Gegenstimmen: Warum Staaten Sanktionen verhängen
- USA: Außenminister Rubio begründete die Liste gesperrter Firmen damit, den Teilen des kubanischen Regimes Mittel zu entziehen, die Militär und Geheimdienst unterstehen1.
- Banken verweisen auf Pflichten gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Die Europäische Bankenaufsicht hält De-risking für teils legitimes Risikomanagement, teils für ein Zeichen schwacher Prüfung5.
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Quellen
- Havana Times (nach 14ymedio), „Western Union Suspends Money Transfers to Cuba“, 8.2.2025. https://havanatimes.org/news/western-union-suspends-money-transfers-to-cuba
- Banque de France, ACPR, „Following the agreement signed between the US authorities and BNP Paribas“, 30.6.2014. https://acpr.banque-france.fr/en/press-release/following-agreement-signed-between-us-authorities-and-bnp-paribas
- Rat der EU, Verordnung (EG) Nr. 2271/96 vom 22.11.1996, ABl. L 309 vom 29.11.1996, S. 1, 22.11.1996. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/1996/2271/oj
- Gerichtshof der EU (Große Kammer), Urteil vom 21.12.2021, Bank Melli Iran gegen Telekom Deutschland, C-124/20, ECLI:EU:C:2021:1035, 21.12.2021. https://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?num=C-124/20
- Europäische Bankenaufsicht (EBA), EBA/Op/2022/01, „EBA alerts on the detrimental impact of unwarranted de-risking and ineffective management of money laundering and terrorist financing risks“, 5.1.2022. https://www.eba.europa.eu/publications-and-media/press-releases/eba-alerts-detrimental-impact-unwarranted-de-risking-and
- OHCHR, Sonderberichterstatterin Alena Douhan, Vorläufige Ergebnisse des Besuchs in Kuba, Erklärung zum Abschluss der Reise vom 11. bis 21.11.2025, 21.11.2025. Viele Zahlen dort mit dem Zusatz „reportedly“, also nach Angaben, die ihr vorgelegt wurden. https://www.ecoi.net/en/file/local/2133521/20251121-eom-stm-cuba-sr-negative-impact-unilateral-en.pdf
- Devex (Sophie Edwards), zur Umfrage des Charity & Security Network, „De-risking is causing significant banking problems for two-thirds of US nonprofits“, 14.2.2017. https://www.devex.com/news/derisking-is-causing-significant-banking-problems-for-two-thirds-of-us-nonprofits-89631
- Der Tagesspiegel, „Kubaner? Nein danke“, 21.4.2007. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/kubaner-nein-danke-6850522.html
- Reuters, wiedergegeben vom Business & Human Rights Resource Centre, „Austria charges bank after Cuban accounts cancelled“, 27.4.2007. https://www.business-humanrights.org/de/neuste-meldungen/austria-charges-bank-after-cuban-accounts-cancelled
- Devex (David Ainsworth), „Sanctions and banks make it a struggle to get money into Afghanistan“, 17.1.2022. https://www.devex.com/news/sanctions-and-banks-make-it-a-struggle-to-get-money-into-afghanistan-102448
- Weltbank, Remittance Prices Worldwide, Hauptbericht und Anhang, viertes Quartal 2024, Dezember 2024. https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_main_report_and_annex_q424_13.pdf
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
