Wer etwas verspricht oder fordert, sollte später sagen, ob es eingetreten ist. Diesen Satz legen wir an die Sanktionen an, über die wir berichten, und an uns selbst. Hier steht, was das im Alltag heißt und wo Sie nachprüfen können, ob wir uns daran halten.
In zwei Minuten
- Vorher schreiben wir auf, was wir erwarten. Nachher zeigen wir, was eingetreten ist, auch wenn es schlecht ausfällt.
- Wer uns schreibt, bekommt eine Antwort.
- Ankündigungen von Regierungen und Behörden prüfen wir mit denselben drei Fragen wie unsere eigenen.
- Belege, Einschätzungen und Meinungen kennzeichnen wir getrennt.
- Fehler stehen in einer öffentlichen Korrekturliste. Was eingenommen und wofür es ausgegeben wurde, legen wir nach der Woche offen.
Die Grundidee
Wenn die Werkstatt sagt, das Auto ist am Freitag fertig, erwarten Sie am Freitag das Auto oder einen Anruf. Kommt keines von beiden, vertrauen Sie beim nächsten Mal weniger und planen anders. Das ist keine Theorie, sondern Alltag.
Daraus folgt unsere Annahme: Menschen ziehen sich zurück, wenn das, was man ihnen in Aussicht stellt, das, was sie tatsächlich tun können, und das, was sie danach erfahren, nicht mehr zusammenpassen. Wer nie erfährt, ob sich etwas gelohnt hat, strengt sich irgendwann nicht mehr an. Das ist eine Beobachtung aus der Arbeit, kein bewiesener Satz.
Oft bleibt nur die Form übrig. Es gibt eine Bestätigung, einen Bericht, eine Pressemitteilung, aber niemand sieht nach, ob das Versprochene eingetreten ist. Eine Quittung ist noch kein Befund.
Die Frage, an der wir uns messen lassen, lautet deshalb: Lernen Erwartungen aus Ergebnissen? Wer etwas erwartet hat, soll nachher sehen können, ob es eingetreten ist, und seine nächste Erwartung danach richten. Dafür braucht es zweierlei: Die Erwartung steht vorher fest, und nachher gibt jemand Rückmeldung.
Sechs Zusagen
- Vorher aufschreiben, nachher vergleichen. Vor der Woche vom 16. bis 24. November schreiben wir auf, was wir erwarten: wie viele Menschen kommen, wie viele unserer Anfragen beantwortet werden, wie viel die Hilfswerke erhalten, ob die Kosten gedeckt sind. Zu jeder Erwartung sagen wir, wie sicher wir sind. Nach der Woche tragen wir daneben ein, was eingetreten ist, und was wir daraus beim nächsten Mal anders machen. Nach dem Stichtag ändern wir die Erwartungen nicht mehr; geschieht es doch, bleibt die alte Fassung mit Datum sichtbar.So prüfen Sie es: auf der Rückmeldeseite, Aufbau unten.
- Jede Anfrage bekommt eine Antwort. Wer uns schreibt, bekommt eine Antwort, in der Regel innerhalb von zehn Werktagen, auch wenn sie „nein“ oder „das wissen wir noch nicht“ lautet. In der Woche selbst kann es länger dauern; dann sagen wir das. Ausgenommen sind Werbung und beleidigende Nachrichten. Es gilt auch umgekehrt: Wer uns geholfen oder etwas gegeben hat, erfährt von uns, was daraus geworden ist.So prüfen Sie es: Wie viele Anfragen kamen und wie viele wir in zehn Werktagen beantwortet haben, steht auf der Rückmeldeseite.
- Derselbe Maßstab für Politik. Bei Sanktionen und Blockaden fragen wir nicht zuerst, ob sie gut oder schlecht sind, sondern: Welches Ziel wurde angekündigt? Was ist eingetreten? Wer hat das überprüft? Ein Beispiel aus den USA: Das Gesetz von 1996, nach seinen Verfassern Helms-Burton-Gesetz genannt, nennt als einen seiner Zwecke, freie und faire Wahlen in Kuba zu fördern. Ein Beispiel aus Europa: Die EU-Abwehrverordnung von 1996 soll Unternehmen in der EU vor den Folgen fremder Sanktionsgesetze schützen; die Bundesregierung hat nach eigener Auskunft keine Zahlen dazu, wie viele Unternehmen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren betroffen waren. Dieselben drei Fragen stellen wir an Reformen, die die kubanische Regierung ankündigt, an Beschlüsse der Vereinten Nationen und an uns selbst.So prüfen Sie es: In unseren Texten stehen Ziel, Ergebnis und prüfende Stelle mit Quelle. Fehlt eine Prüfung, schreiben wir das.
- Beleg, Einschätzung und Meinung getrennt. Was das heißt, steht im Kasten unter dieser Liste. In neuen Texten trennen wir die drei sichtbar; ältere Texte stellen wir nach und nach um.So prüfen Sie es: an der Kennzeichnung im Text und an der Quellenliste am Ende.
- Fehler stehen in der Korrekturliste. Wenn wir etwas falsch geschrieben haben, ändern wir es nicht still. In der Korrekturliste steht, was falsch war, was jetzt gilt, seit wann, und, wenn die Person zustimmt, wer uns darauf hingewiesen hat.So prüfen Sie es: in der Korrekturliste, verlinkt am Fuß jeder Seite.
- Geld offen. Spenden für die Menschen in Kuba gehen direkt an die Hilfswerke, nicht an uns. Für die Kosten der Woche gibt es eine getrennte Sammelaktion. Nach der Woche legen wir offen, was eingenommen und wofür es ausgegeben wurde; Beitragende ab 1.000 Euro nennen wir dabei nur mit ihrer Einwilligung namentlich, kleinere Beiträge nur auf Wunsch.So prüfen Sie es: auf den Seiten Spenden und Sammelaktion und in der Abrechnung nach der Woche.
- BelegEine Angabe mit Quelle und Datum, die Sie selbst nachprüfen können.
- EinschätzungUnsere Deutung der Belege. Dazu sagen wir, wie sicher wir sind, und was uns umstimmen würde.
- MeinungEine Haltung, etwa in einer Rede auf der Bühne. Sie ist als Meinung gekennzeichnet und ersetzt keinen Beleg.
Die Rückmeldeseite 2026
So wird die Rückmeldeseite für die Woche 2026 aussehen. Die Erwartungen tragen wir vor Beginn der Woche ein, die Ergebnisse nach dem 24. November. Bis dahin bleiben die Felder leer. Fällt ein Ergebnis schlechter aus als erwartet, steht es dort genauso wie ein gutes.
| Was | Unsere Erwartung | Wie sicher | Ergebnis | Was wir daraus lernen |
|---|---|---|---|---|
| Besucherinnen und Besucher, alle Tage | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Verkaufte Karten | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Unsere Anfragen an Institutionen, Medien und Förderer: wie viele beantwortet | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Anfragen an uns: wie viele in zehn Werktagen beantwortet | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Spenden an die Hilfswerke, von den Hilfswerken bestätigt | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Kosten der Woche: welcher Anteil gedeckt | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
| Korrekturen an unseren Texten | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird vor dem 16.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen | wird nach dem 24.11. eingetragen |
„Wie sicher“ heißt: Wir geben an, mit welcher Wahrscheinlichkeit wir die Erwartung für erreicht halten, zum Beispiel „7 von 10“. Über viele Erwartungen hinweg lässt sich dann ablesen, ob wir zu zuversichtlich oder zu vorsichtig waren.
Was wir nicht behaupten
Diese Arbeitsweise ist kein geprüftes Verfahren. Wir behaupten nicht, dass sie zu besseren Ergebnissen führt; wir wissen es nicht. Sie macht sichtbar, wie weit Erwartung und Ergebnis auseinanderliegen, bei uns und bei anderen. Keine Stelle hat diese Zusagen geprüft oder anerkannt; es sind unsere eigenen.
Die Idee stammt aus Arbeitsfassungen von Aciel Martinez Poll zu Erwartung, Ergebnis und Rückmeldung. Sie sind nicht veröffentlicht und nicht validiert. Verwandte Gedanken gibt es anderswo seit Langem. Wetterdienste vergleichen ihre Wahrscheinlichkeitsangaben mit dem, was eintritt; ein gängiges Maß dafür beschrieb Glenn Brier 1950. Philip Tetlock und andere haben Vorhersagen zu weltpolitischen Fragen gesammelt und nachträglich ausgewertet. In der Wissenschaft legen Forschende in einer Präregistrierung fest, was sie prüfen wollen, bevor sie die Ergebnisse kennen. Die Evaluationskriterien des Entwicklungsausschusses der OECD fragen unter anderem, wie weit ein Vorhaben seine Ziele erreicht hat. Wir übernehmen davon die Haltung, nicht den Anspruch, diese Standards zu erfüllen.
Erinnern Sie uns
Halten wir eine dieser Zusagen nicht ein, schreiben Sie an info@aciel-martinez-poll.com, Betreff „Maßstab“. Auch darauf antworten wir, und jeder solche Hinweis zählt auf der Rückmeldeseite mit.
Diese Seite beschreibt eine Selbstverpflichtung von Helfen statt Blockieren. „Helfen statt Blockieren“ ist überparteilich. Stand: 3. November 2026.
Quellen
- Glenn W. Brier, Verification of forecasts expressed in terms of probability, Monthly Weather Review 78(1), 1950, S. 1 bis 3, https://doi.org/10.1175/1520-0493(1950)078<0001:VOFEIT>2.0.CO;2
- Philip E. Tetlock, Expert Political Judgment: How Good Is It? How Can We Know?, Princeton University Press 2005, https://search.worldcat.org/title/56825108
- Barbara Mellers u. a., Psychological strategies for winning a geopolitical forecasting tournament, Psychological Science 25(5), 2014, https://doi.org/10.1177/0956797614524255
- Brian A. Nosek, Charles R. Ebersole, Alexander C. DeHaven, David T. Mellor, The preregistration revolution, PNAS 2018, https://doi.org/10.1073/pnas.1708274114
- OECD, Better Criteria for Better Evaluation: Revised Evaluation Criteria Definitions and Principles for Use, OECD DAC Network on Development Evaluation, Dezember 2019, https://www.oecd.org/en/publications/better-criteria-for-better-evaluation_15a9c26b-en.html
- 22 U.S. Code § 6022, Purposes (Cuban Liberty and Democratic Solidarity (LIBERTAD) Act of 1996), Cornell LII, https://www.law.cornell.edu/uscode/text/22/6022
- Verordnung (EG) Nr. 2271/96 des Rates vom 22. November 1996, EUR-Lex, https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/1996/2271/oj
- Antwort der Bundesregierung vom 19. Januar 2026, Bundestagsdrucksache 21/3723, Antwort zu Frage 7, https://dserver.bundestag.de/btd/21/037/2103723.pdf
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
