Kaum ein Sanktionsprogramm verbietet Lebensmittel. Engpässe entstehen über Finanzierungsverbote, teure Wege und die Vorsicht von Banken und Reedereien, und oft zugleich über die Agrarpolitik im Land selbst.
Was blockiert ist
- Kuba: Agrarverkäufe aus den USA sind nach dem Gesetz TSRA von 2000 erlaubt, aber nur gegen Vorkasse und ohne private US-Finanzierung1.
- Kuba: Nach Angaben, die der Sonderberichterstatterin vorlagen, sind Einfuhren von Lebensmitteln, Saatgut, Dünger und Tierimpfstoffen eingeschränkt; das Land führe 70 bis 80 Prozent seiner Lebensmittel ein2.
Was ausdrücklich erlaubt ist
- UN: Die Resolution 2664 vom 9.12.2022 stellt klar, dass Mittel und Leistungen für humanitäre Hilfe und Grundbedürfnisse nicht unter die Vermögenssperren der UN fallen. 14 Staaten stimmten dafür, Indien enthielt sich3.
- USA: Am 20.12.2022 erteilte das Finanzministerium Generallizenzen in Programmen, die bis dahin keine humanitäre Ausnahme hatten, unter anderem für Agrargüter, Medikamente und Medizinprodukte4.
- EU und Russland: Die Kommission erklärte am 15.7.2022, EU-Sanktionen richteten sich in keiner Weise gegen den Agrarhandel zwischen Drittstaaten und Russland5.
Was trotzdem nicht ankommt
- Kuba: Die Lebensmittelindustrie arbeitete Ende 2025 nach Angaben an Douhan mit 22 Prozent ihrer Kapazität; Lieferungen kosteten nach diesen Angaben 40 bis 300 Prozent mehr2.
Belegte Beispiele
- KubaTrotz Embargo lieferten die USA 2025 Agrargüter für 476,74 Millionen US-Dollar nach Kuba, davon 298,63 Millionen Geflügel; Kuba lag damit auf Platz 43 der US-Agrarmärkte6.
- NordkoreaDie UN-Expertengruppe listete im März 2019 erstmals 22 Hilfsprogramme, die durch das Genehmigungsverfahren verzögert wurden; sie empfahl eine Liste unbedenklicher Güter ohne Antrag7.
Gegenstimmen: Warum Staaten Sanktionen verhängen
- Kuba: Die US-Regierung begründet ihre Maßnahmen mit der Politik der kubanischen Regierung. Die Executive Order 14380 vom 29.1.2026 nennt die Unterstützung feindlicher Staaten und Gruppen sowie die Menschenrechtslage8.
- Kuba: Die Bischofskonferenz schrieb am 31.1.2026, Kuba brauche Veränderungen, die immer dringender würden; die Würde des Menschen dürfe nicht von äußeren Konflikten abhängig gemacht werden9.
Zahlen mit dem Zusatz „nach Angaben“ stammen nicht aus eigener Messung der zitierten Stelle, sondern aus Informationen, die ihr vorgelegt wurden.
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Quellen
- Congressional Research Service, Insight IN10514, „Financing U.S. Agricultural Exports to Cuba“, 24.6.2016. https://www.everycrsreport.com/reports/IN10514.html
- OHCHR, Sonderberichterstatterin Alena Douhan, Vorläufige Ergebnisse des Besuchs in Kuba, Erklärung zum Abschluss der Reise vom 11. bis 21.11.2025, 21.11.2025. Viele Zahlen dort mit dem Zusatz „reportedly“, also nach Angaben, die ihr vorgelegt wurden. https://www.ecoi.net/en/file/local/2133521/20251121-eom-stm-cuba-sr-negative-impact-unilateral-en.pdf
- UN-Sicherheitsrat, Pressemitteilung SC/15134 (9214. Sitzung), Bericht über die Annahme der Resolution 2664 (2022), 9.12.2022. https://press.un.org/en/node/311942
- US-Finanzministerium, Pressemitteilung JY1175, „Treasury Implements Historic Humanitarian Sanctions Exceptions“, 20.12.2022. https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy1175
- Europäische Kommission, IP/22/4548, „Implementation of EU sanctions against Russia: Commission adopts proposal for “maintenance and alignment” package“, 15.7.2022. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/en/ip_22_4548/IP_22_4548_EN.pdf
- US-Landwirtschaftsministerium, Foreign Agricultural Service, Länderseite Kuba, US-Agrarausfuhren, 3.11.2026. https://www.fas.usda.gov/regions/cuba
- 38 North, „The Human Costs of UN Sanctions and Funding Shortfalls for Humanitarian Aid in North Korea“, 22.8.2019. https://www.38north.org/2019/08/parkkimjong082219/
- Weißes Haus, Federal Register 91 FR 5085, „Executive Order 14380: Addressing Threats to the United States by the Government of Cuba (unterzeichnet 29.1.2026)“, 3.2.2026. https://www.govinfo.gov/content/pkg/FR-2026-02-03/html/2026-02250.htm
- EWTN Noticias / ACI Prensa (Botschaft der Kubanischen Bischofskonferenz vom 31.1.2026), „Obispos alertan que Cuba corre el riesgo de un caos social si no hay cambios urgentes“, 2.2.2026. https://www.ewtnnews.com/es/mundo/america/obispos-alertan-que-cuba-corre-el-riesgo-de-un-caos-social-si-no-hay-cambios-urgentes
Alle Online-Quellen abgerufen am 3. November 2026.
